Halbfinale im Bitburger-Pokal: Herkenrath will die Überraschung bei Fortuna Köln

Heute um um 19.30 Uhr steigt im Kölner Südstadion das erste Halbfinale im Bitburger-Pokal zwischen SC Fortuna Köln und TV Herkenrath.

Halbfinale im Bitburger-Pokal: Herkenrath will die Überraschung bei Fortuna Köln

Den 28. Mai des vergangenen Jahres hat man beim SC Fortuna Köln nicht vergessen. Im Finale des Bitburger-Pokals unterlag der Drittligist seinerzeit nach einem packenden Spiel im Elfmeterschießen ausgerechnet dem Stadtrivalen von der anderen Rheinseite, FC Viktoria Köln. Am 25. Mai soll dieses Stück Vereinsgeschichte, das im Bonner Sportpark Nord geschrieben wurde, endgültig aufgearbeitet werden. Mit einem Triumph an gleicher Stätte, im gleichen Wettbewerb. „Wir wollen unbedingt wieder ins Finale“, sagt Uwe Koschinat, Trainer des Südstadtklubs.

Neben der Möglichkeit, die Scharte vom Vorjahr auszumerzen, spornen noch andere Dinge an. Sein Verein könnte einen Titel gewinnen, in den DFB-Pokal einziehen und eine stattliche Einnahme erzielen. Doch Bonn, der Pott und der Wettbewerb auf nationaler Ebene sind Zukunftsmusik. Fortuna Köln muss zuvor noch eine Hürde zu nehmen. Im Halbfinale (Mittwoch, 19.30 Uhr, Südstadion Köln) wartet das Duell mit dem TV Herkenrath.

Der Klub aus dem gut 3500 Einwohner zählenden Stadtteil von Bergisch Gladbach ist so etwas wie der Senkrechtstarter am Mittelrhein. Binnen fünf Jahren stieg der TV nicht weniger als fünfmal auf. In der vergangenen Serie gab es dann in der Mittelrheinliga eine erste Verschnaufpause. Das Team belegte als Neuling aber immerhin Platz fünf. „Und jetzt steigen wir wieder auf“, verbreitet der Fußballchef des Herkenrather Klubs, Manfred Faber, ganz bewusst Optimismus. Warum auch nicht? Seine Mannschaft spielt eine starke Serie und mischt an der Spitze mit. Am Donnerstag unterstrich der Tabellenvierte seine Ambitionen mit einem 2:2 beim Lokalrivalen und Liga-Zweiten SV Bergisch Gladbach 09. Dabei egalisierte man einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand. „Die Unterlagen für die Regionalliga-Lizenz haben wir ebenfalls eingereicht“, sagt Faber. Glückt der Titelgewinn, beträte sein Verein ein weiteres Mal Neuland und müsste sich den Anforderungen einer bislang unbekannten Spielklasse stellen. „Wenn sich uns als kleinem Verein wirklich diese sensationelle Chance bietet, müssen wir sie wahrnehmen“, stellt Faber klar.

In die gleiche Güteklasse ordnet der Macher des TV auch die Möglichkeiten ein, die der Bitburger-Pokal verspricht. „Das Spiel bei Fortuna Köln ist das wichtigste in der Geschichte des Klubs“, sagt er. Und Coach Alexander Voigt glaubt nicht, dass diese Dimension sich als Last für seine Spieler erweist. „Das ist doch ein Riesenspiel, auf das sich alle freuen. Die Jungs werden Respekt, aber keine Angst haben. Auch wenn wir krasser Außenseiter sind.“ Der langjährige Profifußballer, der für den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zahlreiche Erstligaspiele absolvierte, hat eine Erfolgsmannschaft geformt. Das Mittelfeld um Sebastian Schauer, Andre Kreuer und Oliver Lanwer sowie der Angriff um Norman Wermes (11 Saisontreffer) und Yoschua Grazina (9) verleihen dem Team besondere Klasse.

„Die Herkenrather sind in der Lage, selbst unter Druck immer wieder spielerische Lösungen zu finden“, sagt auch Fortuna-Coach Koschinat, der den Gegner persönlich beobachtete, um sich und sein Team gewissenhaft vorzubereiten. „Herkenrath hat mit wirklich imponiert. Die Mannschaft ist eine gute Mischung aus routinierten und jungen Akteuren. Wir nehmen diesen Gegner absolut ernst“, sagt er. Dennoch relativiert er das Risiko, gegen den zwei Klassen tiefer spielenden Gegner eine Schlappe zu erleiden. „Das Spiel gegen einen Underdog wird häufig dann heikel, wenn man auf ungewohntem Platz und Untergrund, in ungewohnter Atmosphäre spielt. Wir dürfen am Mittwochabend aber zu Hause im Südstadion spielen. Dort gibt es keine Anpassungsprobleme. Das ist sicherlich von Vorteil.“ Koschinat nimmt also die Favoritenrolle an. „Als ranghöchster Klub im Verband muss es schließlich unser Ziel sein, den Cup zu gewinnen“, meint der Coach, der seine beste Formation aufs Feld schicken wird. Es wird kein Pokern und kein „Spieler schonen“ geben. In der Liga hat das Team um Toptorjäger Hamdi Dahmani (11 Saisontore) ohnehin trotz des jüngsten 2:4 bei Preußen Münster schon zehn Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Umso mehr Reiz birgt der Bitburger-Pokal. Es warten Brisanz und große Chancen. 

Der Sieger des Halbfinals am Mittwoch trifft am 25. Mai im Finale des Bitburger-Pokals auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen dem Bonner SC und FC Viktoria Köln. Die beiden Regionalligisten ermitteln ihren Sieger am 2. Mai. 

(Wolfram Kämpf)

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