Der Wiederholung soll eine Premiere folgen. So könnte man die Ambitionen des Mittelrheinligisten SV Eintracht Hohkeppel auf der Zielgeraden des Bitburger-Pokals zusammenfassen. Doch diese Kurzformel gibt nicht ansatzweise die Emotionen wieder, die das anstehende Semifinale mit dem Wiedersehen mit Viktoria Köln und die Aussicht auf eine erstmalige Finalteilnahme in der Ortschaft im Oberbergischen wecken. „Dieser Wettbewerb hat einen großen Reiz und er bietet die Chance auf einen Titel und den Einzug in den DFB-Pokal. Wir sind bereit für das Spiel und erwarten viele Fans, die für einen Hexenkessel sorgen werden“, sagt Eintracht-Coach Abdullah Keseroglu mit Blick auf das Match gegen den Drittligisten und Titelverteidiger aus Köln am Donnerstag, 26. März, 19 Uhr, auf dem Kunstrasenplatz im wenige hundert Meter von Hohkeppel entfernten Lindlar-Köttingen.
Exakt diese Paarung hat es vor ziemlich genau drei Jahren schon einmal gegeben. Im März 2023 setzte sich die Viktoria an gleicher Stelle vor 600 Zuschauer*innen mit 5:1 durch. Anders als Keseroglu war Kevin Theisen, Geschäftsführer und Sportlicher Leiter in Hohkeppel, damals schon dabei. „Das war ein besonderer Abend. Dieses Mal wollen wir aber einen anderen Spielausgang“, sagt er. Dass seine Elf ausgerechnet auf den Rekordchampion und Titelfavoriten trifft, beeindruckt ihn nicht. „Es waren ja nur noch sehr schwierige Gegner in der Lostrommel“, sagt Theisen.
In Hohkeppel glaubt man an die eigenen Stärken
Hinzu kommt der Glauben an die eigenen Stärken. Bisher habe seine Mannschaft ihre Aufgaben im Bitburger-Pokal bravourös gemeistert, findet Keseroglu. Zuletzt setzte sich Hohkeppel beim Bergisch Gladbacher Bezirksligisten SSV Jan Wellem 05 trotz eines zwischenzeitlichen 0:1-Rückstands souverän mit 6:1 durch. David Gsella, Coach des Viertelfinalgegners, lobte anschließend die agile, robuste und abgezockte Spielweise der Eintracht. Keseroglu will sich daher auch gegen die Viktoria nicht verstecken oder auf geballte Defensive setzen. Das, so stellt er klar, sei auch nicht die DNA seines Teams. „Klar ist die Viktoria ein Brocken und wir sind der Underdog, aber wir stehen mehr als verdient im Halbfinale und wollen diese Aufgabe jetzt annehmen. Eine Chance, zu gewinnen, ist auf jeden Fall da“, ist er sicher.
Hohkeppel kann auf einige erfahrene Akteure setzen. Kapitän und Abwehrchef Firat Tuncer etwa wurde in der Jugend des 1. FC Köln ausgebildet, ehe er in Österreich und der deutschen Regionalliga auflief. Angreifer Clinton Williams-Emmanuel kam im Winter vom Regionalligisten Bonner SC, Offensivkollege Mike Owusu kennt die vierthöchste Spielklasse aus seiner Zeit beim 1. FC Düren und Sechser Dominik Bilogrevic steht ebenfalls für geballte Erfahrung in höheren Ligen. „Wir haben einige gute Jungs“, sagt Keseroglu, sollte man die Überraschung schaffen, sei er auch hoffnungsvoll für weitere Taten, „denn in einem Finale kann alles passieren“, betont der Coach, der einst als Spieler des VfL Osnabrück verfolgen durfte, zu welchen Taten Underdogs im DFB-Pokal fähig sein können.
Viktoria Köln will erneut ins Finale auf vertrautem Terrain einziehen
Bei der Viktoria hat man aber nicht die Absicht, den vermeintlichen Außenseiter zu unterschätzen. „Hohkeppel ist sicherlich kein gewöhnlicher Mittelrheinligist. Sie marschieren in der Rückrunde durch die Liga und haben das klare Ziel Aufstieg. Das zeigt ihre Klasse und ihr Selbstvertrauen. Wir werden uns sehr gewissenhaft vorbereiten“, kündigt der Kölner Trainer Marian Wilhelm an. Er geht gestärkt auf die Zielgerade seiner ersten Saison als Cheftrainer. Erst vor wenigen Tagen wurde sein Vertrag verlängert. Dies bedeute ihm sehr viel, weil es „ein starkes Zeichen des gegenseitigen Vertrauens ist“. In den vergangenen Monaten habe man als Team wichtige Schritte nach vorne gemacht, betont der Mann, der bereits seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei der Viktoria tätig war, ehe er 2024 erst Co-Trainer von Olaf Janßen und im Sommer vergangenen Jahres dann dessen Nachfolger wurde.
Dass seine Mannschaft das Halbfinale des Landespokals erreicht hat, zählt zweifellos zu den besagten wichtigen Schritten. Zuletzt ließ man sich vom Mittelrheinligisten Siegburger SV nicht stoppen und siegte mit 2:1. Und damit soll die Geschichte nicht enden. „Wir wissen, dass uns sicherlich alles abverlangt wird, aber treten an, um weiterzukommen“, so Wilhelm. Bezwinge man Hohkeppel, warte ein „absolutes Highlight“, sagt er mit Blick auf das Endspiel, das am 23. Mai erneut im Kölner Sportpark Höhenberg, also im Heimstadion der Viktoria steigt.
Fortuna Köln erwartet bestens bekannten Gegner
Dort mit dabei wäre auch zu gerne Regionalligist S.C. Fortuna Köln. Das Team um Trainer Matthias Mink avancierte nicht nur angesichts des 1:0 im Viertelfinale gegen den Drittligisten TSV Alemannia Aachen zum veritablen Titelkandidaten. Auch in der Liga eilen die Südstädter von Erfolg zu Erfolg und führen das Klassement an. „Wir sind im Hier und Jetzt in guter Stimmung unterwegs. Wir haben eine positive Herangehensweise und das Team setzt diese außergewöhnlich gut um“, findet Mink. Der Bitburger-Pokal berge die Chance, mit vergleichsweise wenigen Spielen maximalen Erfolg zu erzielen. „Du kannst einen Titel gewinnen und in den DFB-Pokal einziehen. Mit einer Endspielteilnahme und einem Sieg würden wir außerdem unseren Fans gerne etwas zurückgeben“, erklärt Mink. Doch er weiß auch um die Stärken des Halbfinal-Kontrahenten. Am Mittwoch, 1. April, 19.30 Uhr, geht es im Kölner Südstadion an der Vorgebirgsstraße gegen den Bonner SC. Also gegen einen Gegner, dem man erst Anfang März in der Meisterschaft an gleicher Stelle gegenüberstand und beim 0:0 einen Punktgewinn gestattete.
Zweikampfstärke, Robustheit und eine hohe Stabilität zeichnen die Bonner laut Mink aus. „An diesem Gegner haben sich bereits einige Mannschaften die Zähne ausgebissen“, sagt er. Seiner Elf sei es im jüngsten Meisterschaftsvergleich erst in der zweiten Hälfte vermehrt gelungen, Tormöglichkeiten zu kreieren. „Es fehlte dann an Effizienz“, so Mink. Den Gegner gut zu kennen, sei ein zweischneidiges Schwert, denn auch der BSC könne sich bestens auf den erneuten Vergleich einstellen.
BSC-Coach Björn Mehnert will unbedingt ins Finale
Das will Björn Mehnert, Trainer des Bonner SC, selbstverständlich tun. „Das ist ein interessantes Spiel, eine schwierige Aufgabe, die wir annehmen. Klar ist, dass dieses Mal nicht wieder 0:0 auf der Anzeigetafel stehen wird“, sagt er. Die Ambition sei klar: „Wir wollen siegen. Es geht schließlich ums Finale“, sagt Mehnert, dessen Team den Sprung in die Vorschlussrunde mit einem klaren 4:0 beim Landesligisten Borussia Lindenthal-Hohenlind perfekt machte, dabei allerdings die schwere Sprunggelenksverletzung des Japaners Daiki Kamo beklagte. „Sein Ausfall tut uns sehr weh“, sagt BSC-Sportdirektor Daniel Zillken. Zumal der dichte Zeitplan seiner Mannschaft ohnehin einiges abverlange. Immerhin könne man wohl wieder auf Serhat Koruk zurückgreifen.
Zu den großen Stärken der Bonner zählt die aufmerksame Defensive. Vor dem von Alemannia Aachen gekommenen Keeper Elias Bördner machen Massaman Keita und Markus Wipperfürth den gegnerischen Angreifern das Leben schwer. In der Offensive setzen zumeist Lucas Cueto, Jonas Berg und Koruk für die Akzente. „In solchen Spielen kommt es manchmal auch auf Standards an“, so Zillken, der in Tobias Peitz, Felix Erken und Koruk gute Schützen in seinen Reihen weiß. Er sieht eine schwierige Aufgabe auf seine Elf zukommen. „Die Fortuna ist eine ausgebuffte Truppe. Selbst wenn es mal nicht so gut läuft, ziehen sie Spiele auf ihre Seite. Das spricht eindeutig für ihre Qualität, das muss man anerkennen“, betont er. Gleichwohl gehe es um einiges. Vor voraussichtlich mehreren tausend Zuschauer*innen im Südstadion wolle man daher „alles raushauen, was in uns steckt“.
Bitburger-Pokal der Herren 2025/26: Halbfinal-Paarungen
SV Eintracht Hohkeppel (MRL) - FC Viktoria Köln (3. Liga) Donnerstag, 26. März, 19 Uhr.
S.C. Fortuna Köln (RL) - Bonner SC (RL) Mittwoch, 1. April, 19.30 Uhr.
Modus
Gespielt werden sechs Runden inklusive Finale.
Klassentiefere Teams genießen im Bitburger-Pokal bis einschließlich Halbfinale Heimrecht.
Das Finale findet am 23. Mai 2026 im Kölner Sportpark Höhenberg statt.
Der Sieger qualifiziert sich für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals.
Geplante Spieltermine
Finale: 23. Mai 2026
