Bitburger-FVM-Pokalfinale: Teamcheck FC Viktoria Köln

Bitburger-FVM-Pokalfinale: Teamcheck FC Viktoria Köln

Nur noch wenige Tage bis zum großen Endspiel! Alemannia Aachen trifft im Rahmen des Finaltags der Amateure auf Viktoria Köln und beide Vertreter kämpfen nicht nur um den Bitburger-Pokal, sondern auch um den Einzug in den DFB-Pokal 2025/26. Doch was macht beide Klubs aus? Wer sind die Spieler, auf die es zu achten gilt? Wir werfen einen Blick drauf. 

 

Der Klub

In der Dritten Liga hat sich der Viktoria Köln sechs Jahre nach dem Aufstieg 2019 längst als feste Größe etabliert. Das heimische Stadion, der Sportpark Höhenberg, zählt zwar nicht zu den größten Arenen der Spielklasse, ist aber ein Schmuckkästchen, das für die Nähe zu den Protagonisten auf den Rasen und klassische Fußball-Atmosphäre steht. Die Anhängerschaft der Viktoria hat in der jüngeren Vergangenheit jedoch nicht nur in der Dritten Liga stimmungsvolle Matches erleben dürfen. Auch mit den Großen der Branche kam es wiederholt zum sportlichen Kräftemessen. Basis dafür waren die Erfolge im Bitburger-Pokal und die damit einhergehende Qualifikation für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Auf Verbandsebene setzten sich der Viktoria und seine Vorgängervereine inzwischen neunmal durch. 2014, 2015 und 2016 glückte der erste Titelhattrick, dem nach dem Erfolg 2018 in den Jahren 2021, 2022 und 2023 der zweite folgte. Über mangelndes Glück bei den Auslosungen für den DFB-Pokal konnte sich im rechtsrheinischen Köln niemand beklagen. 2014 ging es gegen Hertha BSC (2:4), 2015 gegen Union Berlin (2:1), ehe es gegen Bayer 04 Leverkusen ein 0:6 gab. Ein Jahr später unterlag man dem Zweitligisten 1. FC Nürnberg erst im Elfmeterschießen. So ähnlich ging es weiter: RB Leipzig zwang die Viktoria 2018 in die Verlängerung (1:3), genau wie 2021 die TSG Hoffenheim (2:3). Und dann war da noch die Erstrunden-Partie vor 50.000 Zuschauern im Spätsommer 2022 im RheinEnergie-Stadion gegen den FC Bayern München (0:5) – ein Highlight der Klubhistorie. Sportlich toppte man dieses Erlebnis im Jahr darauf, als Bundesligist Werder Bremen mit 3:2 bezwungen wurde, ehe in der zweiten Runde nach einem 0:2 gegen Eintracht Frankfurt Schluss war. „Das waren unvergessliche Tage“, hat Vizepräsident Franz Wunderlich unlängst gesagt. Tage, die Lust auf mehr machen bei dem Verein, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1904 zurückreichen. Besondere Zeite gab es in Höhenberg schon einmal: von 1978 bis 1981 lief das Team unter dem Namen SC Viktoria in der 2. Bundesliga auf.

 

Der Trainer

Olaf Janßen ist seit dem Start seines zweiten Engagements Anfang Februar 2021 beim Viktoria Köln zum Gesicht des Vereins geworden. Der 58-Jährige hat im Rechtsrheinischen ein Team geformt, das in der Meisterschaft regelmäßig den Spitzenteams auf den Fersen ist und im Bitburger-Pokal für Furore sorgt. 2018, 2021, 2022 und 2023 führte er das Team zum Titelgewinn und damit in den DFB-Pokal. Nur einmal in den vergangenen Jahren erlebte der gebürtige Krefelder eine Niederlage im Bitburger-Pokal: Im Februar 2024 unterlag die Viktoria im Viertelfinale mit 0:2 bei Alemannia Aachen. „Das ist schon eine besondere Serie, die mich stolz macht“, sagt der Coach. Janßen hat als „Mister-Cup-Sieg“ nachgeholt, was in der langen Profikarriere rar war: der Gewinn von Titeln. Am Mittelrhein ist er vielen Fußballfans insbesondere als Mittelfeldspieler des 1. FC Köln in Erinnerung, wo er in den 1980er-Jahren Seite an Seite mit den späteren Weltmeistern Thomas Häßler und Pierre Littbarski spielte. An einem großen Titel schrammte Janßen mehrmals knapp vorbei. Im UEFA-Pokal unterlag er mit dem FC im Finale gegen Real Madrid und im Kampf um die Deutsche Meisterschaft mussten Janßen & Co sich 1989 und 1990 als Vizemeister zweimal dem FC Bayern beugen. Ein greifbarer Erfolg glückte 1988: Janßen gewann im koreanischen Seoul Bronze mit dem deutschen Olympia-Team. Als Co-Trainer unter Berti Vogts arbeitete er bei der aserbaidschanischen Nationalmannschaft, als Chefcoach bei Dynamo Dresden. Berater war er bei Rah Ahan (Iran). Es folgten Jobs im Trainerstab des VfB Stuttgart, des FC St. Pauli und ein erstes Engagement beim Viktoria Köln, ehe es für ihn als Co-Trainer von Bruno Labbadia zum Erstligisten VfL Wolfsburg und anschließend zu Hertha BSC ging. Anfang 2021 kehrte er dann auf den Cheftrainer-Posten in Köln zurück. „Ich habe mich in meiner ganzen Laufbahn immer für Projekte entschieden“, sagt der 58-Jährige. Spannende Aufgaben, Neuland und die Möglichkeit, etwas zu bewegen, haben ihn immer gereizt. Bei der Viktoria habe er eine eigene Spielphilosophie auf dem Platz für alle erkennbar machen und Spieler weiterentwickeln können. Diese Zeit wird nach dem Bitburger-Pokal-Finale enden. Janßen heuert beim SV Sandhausen an und übergibt den Job an seinen bisherigen Co-Trainer Marian Wilhelm. Der erneute Cup-Sieg zum Abschied ist damit zu seinem Abschlussprojekt bei der Viktoria geworden.

 

Das Team

Der Viktoria Köln spielte nicht nur die stärkste Drittliga-Hinrunde der Vereinsgeschichte, sondern blieb den Spitzenteams der Liga auch nach dem Jahreswechsel immer im Nacken. Zwischenzeitlich durfte sogar leise vom Aufstieg geträumt werden. So eine überzeugende Serie hatten viele nach einem personellen Umbruch im Sommer nicht erwartet. Als starker Rückhalt erwies sich der 1,96 Meter große Torhüter Eduardo Dos Santos Haesler, kurz Dudu, der im Sommer vom SV Werder Bremen ins Rheinland gewechselt war. Der in Duisburg geborene Deutsch-Brasilianer kann sich aber auch auf den umsichtigen Abwehrchef Christoph Greger verlassen. Mit seinen stattlichen 1,93 Meter Körpergröße ist der 28-Jährige nicht nur kopfballstark, sondern auch am Boden kaum zu überwinden. Greger kann auf die Erfahrung aus mehr als 240 Drittliga-Partien zurückgreifen. Er strahlt Ruhe und Routine aus. Damit ist der Kapitän die unumstrittene Führungspersönlichkeit. Neben ihm agiert mit Lars Dietz ein weiterer erfahrener Verteidiger. Für geballte Routine steht auch der auf den Außenpositionen flexibel einsetzbare Simon Handle. Der 32-Jährige läuft seit 2017 für die Viktoria auf. Unlängst wurde sein Vertrag erneut verlängert. Auf seine Laufstärke und seine weiten Einwürfe will man nicht verzichten. Auf beiden Außenbahnen kann auch Jonah Sticker spielen, er ist immer wieder für Akzente in der Offensive gut. Impulse durch eine starke Physis gibt auch Mittelfeldakteur Enrique Lofolomo dem Spiel der Viktoria, während Florian Engelhardt so etwas wie der Stratege ist. Für das besondere Etwas ist jedoch vor allem ein Mann zuständig: Said El Mala, gerade einmal 18 Jahre alt, aber in der Dritten Liga schon herausragend. Schnelligkeit, Spielintelligenz, Dribbelstärke und ein guter Torabschluss beschreiben das Gesamtpaket, des deutschen Nachwuchsnationalspielers, der künftig für den 1.FC Köln auflaufen wird. Bundesweit machte er spätestens auf sich aufmerksam, als er im Frühjahr mit seinem zehnten Saisontreffer die Führung im Ranking der zehn jüngsten Fußballer übernahm, denen derart viele Treffer in der Dritten Liga gelungen sind. Selbst spätere Stars wie Hakan Calhanoglu, Thomas Müller und Tim Kleindienst waren bereits älter, als ihnen dieses Kunststück gelang. Zu den bestimmenden Spielern in der Kölner Offensive zählen zudem der im Sommer von 1860 München verpflichtete Semih Serhat Güler und Lex Tyger Lobinger, der vom 1. FC Kaiserslautern kam. Sie alle haben sich im Saisonverlauf enorm weiterentwickelt. „Was aus den Dreien geworden ist, ist etwas ganz Besonderes“, findet auch Janßen.

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