Bitburger-Pokalfinale: Ein Drei-Generationen-Team an der Pfeife

Bitburger-Pokalfinale: Ein Drei-Generationen-Team an der Pfeife

Ansporn, Auszeichnung und absolute Aufmerksamkeit – das sind die Komponenten, die die Gedanken des Unparteiischen-Teams mit Blick auf das Bitburger-Pokal-Finale am Samstag, 25. Mai, bestimmen. „Ich empfinde es als unfassbar große Ehre, dieses Spiel leiten zu dürfen“, spricht Ivan Mrkalj allen vieren aus dem Herzen. Keine Frage, das Aufeinandertreffen des Noch-Regionalligisten und designierten Aufsteigers Alemannia Aachen und des Mittelrheinligisten Bonner SC im Rahmen des bundesweiten Finaltags der Amateure elektrisiert nicht nur die beteiligten Teams und deren Anhänger, sondern auch die Unparteiischen. „Als Jungschiedsrichter war so eine Partie das große Ziel, das wollte ich immer schaffen. Jetzt das Vertrauen zu bekommen, ist ein großes Glück und wohl auch Verdienst guter Leistungen“, erklärt der 29-Jährige von der DJK Viktoria Buchheim.

Es ist aber auch ein wenig Glück oder die Gunst eines seltenen Moments. „In den vergangenen Jahren bestand zumeist keine Gelegenheit, als Kölner Schiri beim Bitburger-Pokal-Finale dabei zu sein, weil fast immer eine Mannschaft aus Köln beteiligt war“, macht Mario Heller deutlich. Für den 35-Jährigen hat das Endspiel besonderen Charakter: Es wird sein letzter Auftritt auf Verbandsebene sein. „Damit endet ein besonderes Kapitel mit einem besonderen Spiel“, sagt er. Bis 2018 hat der Projektmanager vier Jahre lang in der Regionalliga gepfiffen, er hat einige große Matches und Stadien erlebt. Unvergesslich sei ihm auch ein Spiel im Bitburger-Pokal. „2018 habe ich das Halbfinale Viktoria Köln gegen Fortuna Köln gepfiffen, das war ein emotionales, packendes Spiel“, blickt er zurück. Letztlich sei es aber auch nur ein Mosaiksteinchen der Erinnerungen an die Zeit als Unparteiischer, die ihm viel gegeben habe.

Rüstzeug für das Leben erworben

Michael Oligschläger kann da nur zustimmen. Der 42-Jährige vom GKSC Hürth wird das Finale in der Rolle des Vierten Offiziellen begleiten. „Es sind sehr vielschichtige Erfahrungen, die du als Schiedsrichter mitnimmst und die deine Persönlichkeit prägen“, betont er. Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und eine gute Kommunikation gehörten dazu. Und auch „die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und zu vertreten, wenn Emotionen im Spiel und alle Blicke auf dich gerichtet sind“, führt er aus. Dieses Rüstzeug sei auch im Job und Privatleben wertvoll, erklärt der Berufssoldat. Seit 2000 gibt Olligschläger seine Erfahrungen als Lehrwart im Fußballkreis Rhein-Erft an jungen Menschen weiter, „was mit viel Spaß macht“. Seine Leidenschaft hat ihm auch noch weitere Türen geöffnet: Olligschläger nahm als Unparteiischer an Militär-Weltmeisterschaften und -Weltspielen in Brasilien, Aserbaidschan, Südkorea und dem Oman teil. „Das waren fantastische Erfahrungen, für die ich dankbar bin“, sagt er.

Ganz so weit ist Sandro Prescha nicht herumgekommen, vielfältige Erfahrungen hat aber zweifellos auch er mitgenommen. „Ich habe Spiele auf dem Aachener Tivoli, bei Rot-Weiß Oberhausen und Preußen Münster erlebt und in der Nachwuchsbundesliga Spieler kennengelernt, die heute als Profis bekannt sind“, sagt der 26-Jährige vom SV Westhoven-Ensen. Ansgar Knauff, Giovanni Reyna und Florian Wirtz sind nur drei Namen einer deutlich längeren Reihe. „Wenn ich Flo Wirtz irgendwo sehe, ruft er mir immer noch »Hallo Schiedsrichter« zu“, erklärt Prescha mit einem Lachen. Die Lehrgänge in der Sportschule Hennef seien ein weiterer Teil seiner vielen positiven Erinnerungen. „Das war immer eine coole Gemeinschaft, man freut sich, wenn man sieht, wie die Laufbahn der anderen sich weiterentwickelt“, so Prescha. Auch für ihn wird das Finale im Sportpark Höhenberg der Abschluss seiner Schiri-Karriere sein. Die Führung des eigenen Installateur- und Heizungsbaubetriebs benötigt vollen Einsatz. „Das Endspiel im Bitburger-Pokal ist ein perfekter Schlussstrich. Ich freue mich auf dieses Spiel an der Seite von Mario und Ivan“, sagt er.

Ein eingespieltes Team

Auch Mrkalj blickt dem weiteren Einsatz mit vertrauten Partnern mit Zuversicht entgegen. „In dieses für alle Beteiligten extrem bedeutende Spiel mit einem eingespielten Gespann zu gehen, ist immens wichtig“, betont er. Man müsse sich nicht finden, kenne sich seit vielen Jahren und sei als Gespann eingespielt. „Mario Heller hat mich ausgebildet und unterstützt und zusammen haben wir Sandro Prescha entdeckt und gefördert“, erläutert er. Selbst wenn man nur einige Lebensjahre auseinander liege, könne man von einem Drei-Generationen-Gespann sprechen, das eine tiefe Freundschaft verbinde. Und noch etwas eint das Trio: alle drei sammelten – wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten – Erfahrung im FVM-Perspektivkader. „Eine Fördermaßnahme, die sehr intensiv war, uns geformt, praktische Kenntnisse vermittelt und das nötige Mindset verpasst hat“, so Mrkalj, „ohne diese Förderung wäre ich nicht da, wo ich heute bin.“

2008 hat der Kölner seine Schiri-Laufbahn begonnen, mit 14 Jahren. Dem Fußball ist er zudem als zweiter Vorsitzender der DJK Viktoria Buchheim verbunden. Als Unparteiischer auf dem Platz zu stehen, sei „eine Schule fürs Leben“. Er sei als Jugendlicher eher schüchtern gewesen, das habe er abgelegt, weil es auf dem Platz ohne souveräne Ausstrahlung nicht gehe. „Außerdem habe ich meine besten Freunde unter Schiris gefunden und viele tolle Geschichten erlebt. Ich kann diesen Weg nur jedem empfehlen“, schaut er zurück. Erfahrungen, die der 29-Jährige, der eine eigene Medienagentur aufgebaut hat, nicht missen will.

Gemeinsames Frühstück vor dem großen Spiel

Ein weiteres Kapitel ist das Finale am 25. Mai, auf das man sich bei einem gemeinsamen Frühstück einstimmen werde. „Wir sind uns der Relevanz dieses Spiels sehr bewusst und werden unser Bestes geben“, kündigen Mrkalj und Heller unisono an. Sie hoffen, dass die Zuschauer*innen „ein packendes Spiel sehen, der Sport im Fokus steht und anschließend niemand über uns spricht“. Das wäre der beste Beleg für eine gute Spielleitung und der perfekte Tag für die beteiligten Unparteiischen.

 

Steckbriefe:

Ivan Mrkalj

Alter: 29

Beruf: Inhaber einer Medienagentur

Heimatverein: DJK Viktoria Buchheim 1954

2012 – 2016 Schiedsrichter in der Bezirksliga

2016 – 2017 Schiedsrichter in der Landesliga

2017 – 2022 Schiedsrichter in der Mittelrheinliga

Seit 2022 Regionalliga

 

Mario Heller

Alter: 35

Beruf: Projektmanager

Heimatverein: 1. FC Köln

2007 – 2008 Schiedsrichter in der Bezirksliga

2008 – 2009 Schiedsrichter in der Landesliga

seit 2009 Schiedsrichter in der Mittelrheinliga

2012 - 2016 Schiedsrichter in der Junioren-Bundesliga

2014 - 2018 Schiedsrichter in der Regionalliga West

 

Sandro Prescha

Alter: 26

Beruf: Selbstständiger Installateur und Heizungsbaumeister

Heimatverein: SV Westhoven-Ensen

2016 – 2020 Schiedsrichter in der Bezirksliga

2020 – 2021 Schiedsrichter in der Landesliga

Seit 2021 Schiedsrichter in der Mittelrheinliga

 

Michael Olligschläger

Alter: 42

Beruf: Elektroingenieur, M.A. International Security

Heimatverein: GKSC Hürth

2000 – 2002 Schiedsrichter in der Bezirksliga

2002 – 2003 Schiedsrichter in der Landesliga

Seit 2003 Schiedsrichter in der Mittelrheinliga

 

Fotoquelle: Gunnar Frankenberg
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