ESV Olympia Köln: Kein Platz für Rassismus

ESV Olympia Köln: Kein Platz für Rassismus

Sie spielen im Olympiastadion, allerdings nicht in Berlin oder München. In Köln-Nippes steht dieses Olympiastadion, es ist auch etwas kleiner als die Stätte des DFB-Pokalendspiels in der Bundeshauptstadt und das offene Rund im Süden der Republik. Und dass hier einmal Olympische Spiele stattfinden werden, so wie 1936 in Berlin und 1972 in München, ist trotz der Bewerbung der Domstadt gemeinsam mit der Metropolregion Rhein/Ruhr für 2036, 2040 oder 2044 nicht zu erwarten. Etwas Besonderes hat die Sportstätte an der Lämmerstraße aber trotzdem zu bieten.

Es steht deutlich sichtbar direkt neben dem Stadionnamen: Links heißt es "Willkommen im Gleisdreieck", rechts "Kein Platz für Rassismus" und an beiden Seiten "Kein Kölsch für Nazis". So positioniert sich der Verein für gesellschaftliche Vielfalt und ein Miteinander der Kulturen. Nur Leute, die andere zum Beispiel wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe ausgrenzen, sollen bitte schön wegbleiben.

Für eine offene Gesellschaft

"Wir engagieren uns schon seit Jahren mit verschiedenen Aktionen und Projekten für eine offene Gesellschaft, das ist der Leitfaden des Vereins", verrät Tobias Thomas, Geschäftsführer Fußball beim ESV Olympia Köln. "Und ich persönlich hatte schon länger davon geträumt, dies auch öffentlich sichtbar machen zu können."

Da kam ihm der Besuch eines Kneipenwirts gerade recht. "Kein Kölsch für Nazis" heißt ein freies Bündnis von Gastronominnen und Gastronomen, Kulturschaffenden und Menschen aus der Zivilgesellschaft der Domstadt. Jede und Jeder kann sich dort beteiligen und gemeinsam mit den Initiatoren der Kampagne ein Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit setzen – zum Beispiel mit Bierdeckeln, Aufklebern und Plakaten, auf denen "Kein Kölsch für Nazis steht".

Als im Olympiastadion ein Schriftzug frei wurde, auf dem sich vorher ein Sponsor des ESV Olympia präsentieren durfte, wurde der Plan für das Statement am Gleisdreieck konkret. "Wir wollen einen anderen Fußball, dazu stehen wir schon lange, jetzt hängt unsere Agenda auch als klare Botschaft auf dem Platz", nickt Tobias Thomas.

In seinen 30 Teams im Juniorinnen-, Junioren-, Seniorinnen- und Senioren-Bereich bildet der ESV die bunte Gesellschaft Kölns ab. Das "Clubheim Olympia", das auch das "Büdchen" am Platz betreibt, gilt als kultureller, sozialer und kulinarischer Mittelpunkt des Vereinslebens. Mit einem Frauenteam und acht Juniorinnen ist der Frauen- und Mädchenfußball bei Olympia besonders stark vertreten. Aktuell kicken 225 Spielerinnen für den ESV, die von 31 Übungsleiterinnen betreut werden. Regelmäßig gibt es einen "Mädchen- und Frauen-Fußballtag".

Eine Seniorenmannschaft gibt es derweil erst seit 2019, vorher waren für Olympia ausschließlich Nachwuchsteams am Ball. Die "Erste", in der Kreisliga D gestartet, ist nach drei Aufstiegen in den letzten Jahren inzwischen in der A-Liga am Ball. "Wir haben uns da mit guten sportlichen Leistungen und unserer sowieso guten Haltung Respekt verschafft", findet Tobias Thomas. Auch hier setzt der ESV ein kleines Statement: Der Spielführer der ersten Mannschaft läuft stets mit der Regenbogenbinde auf.

Von den zahlreichen Nachwuchsteam beim ESV Olympia hat eins eine besondere Geschichte: das "Team Hope". Tobias Thomas erklärt, was sich dahinter verbirgt: "In ganz Köln, aber vor allem auch in Nippes und Ehrenfeld, wo wir zu Hause sind, leben viele Menschen ganz verschiedener Kulturen. Denen wollten wir eine Heimat bieten." So entstand in Kooperation mit der Jugendhilfe "RheinFlanke", einer gemeinnützigen Organisation, die aus einer interkulturellen Straßenfußball-Liga in Köln hervorging, das "Team Hope".

Inklusionstage, Workshops und Turniere

Im "Team Hope", das als A-Junioren III für den ESV Olympia an den Start ging, kicken junge Geflüchtete und andere Zuwanderer aus über 20 Ländern. Gemeinsam mit der "RheinFlanke" wurde am Gleisdreieck der von Solarstrom betriebene "Hope Hub" eingerichtet, ein Sozialraum, der für Workshops für mehrfach benachteiligte Jugendliche, aber auch als Treffpunkt genutzt wird. Einmal pro Jahr veranstaltet der Verein gemeinsam mit der "RheinFlanke" den "Aktionstag Inklusion" sowie den "Veedels Cup", bei dem Ganztageseinrichtungen miteinander bolzen.

Das ist in Sachen gelebtes Miteinander aber längst nicht alles beim ESV Olympia. Gemeinsam mit dem Fußball-Verband Mittelrhein wurden Lehrvideos produziert, um zum Thema "diskriminierungssensible Sprache" aufzuklären. Im Zuge des "Bundesprogramms gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit" der Deutschen Sportjugend und des Bundesministeriums des Innern wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt. So erhielten Spielerinnen und Spieler, Trainerinnen und Trainer sowie Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter Trainingsanzüge mit dem Slogan "Willkommen im Gleisdreieck – ESV Olympia gegen Menschenfeindlichkeit".

Diese Botschaft ziert seitdem auch die Bande im Olympiastadion, praktisch der Vorläufer für "Kein Platz für Rassismus". Auf der Website des ESV finden sich darüber hinaus Infomaterialien sowie Verlinkungen zur Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (medif-nrw) und zum Meldebutton für Antisemitismus im Sport.

Engagiert - auch für die Umwelt

Neben dem gesellschaftlichen Engagement und dem Einsatz für ein offenes Miteinander engagiert sich der Verein zusätzlich im Umweltschutz. In Kooperation mit "Viva Con Agua Köln" werden am Platz Pfandflaschen gesammelt und der Erlös gespendet. Aussortierte Fußbälle gibt der Verein an "Mein Ball Dein Ball e. V.", und per Crowdfunding wurde 2024 ein neuer Fahrradparkplatz errichtet, der das Gleisdreieck vor allem für Kinder verkehrssicherer und umweltfreundlicher macht.

Vereine, die eine ähnliche soziale Agenda wie der ESV Olympia verfolgen, sind im Gleisdreieck immer willkommen. Unter anderem mit Vorwärts Spoho, 1998 von Studierenden der Sporthochschule Köln gegründet, dem Drittligisten Viktoria Köln und Hertha Bonn fanden bereits gemeinsame Projekte statt. Nicht nur diese Vereine sind im Olympiastadion aber herzlich willkommen, sondern auch alle anderen, bei denen Toleranz, Respekt und ein faires Miteinander nach dem Motto "Kein Platz für Rassismus" gilt. Und danach gibt es im Clubheim gerne ein Kölsch oder ein anderes Getränk – außer für Nazis.

Foto: ESV Olympia Köln
Text: Fussball.de
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