Wer an einem Freitagnachmittag das Trainingsgelände des ESV Olympia Köln betritt, merkt schnell: Fußball beim ESV ist keine reine Männersache. Stattdessen sieht man zehn Mädchen- und Frauenteams sowie 200 aktive Spielerinnen, die an diesem Tag trainieren. Damit besitzt der Vereine eine der größten Mädchenabteilungen in Köln und Umgebung.
Der Grundstein wurde bereits 2013 gelegt. Die Idee zur Gründung einer Mädchenabteilung entstand durch den damaligen ESV-Jugendleiter Werner Welschoff und Oliver Froning, der damals als Trainer bei den Kölnern aktiv war. Beide arbeiteten im offenen Ganztagsbereich einer Schule und leiteten nachmittags eine Mädchen-Fußball AG. Nachdem sie die Begeisterung der Mädchen sahen, wollten sie diesen auch ein Angebot im Sportverein bieten. So startete im Frühjahr 2013 beim ESV Olympia Köln die erste Trainingsgruppe für Mädchen. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde eine U13-Mannschaft für den Spielbetrieb gemeldet, und seitdem wächst die Abteilung kontinuierlich Jahr für Jahr. Der nächstlogische Schritt: Die Gründung des ersten Frauenteams im Jahr 2022, um den Spielerinnen auch nach ihrer Juniorinnenzeit eine sportliche Heimat bieten zu können.
Dafür hat der Verein investiert und mit Lisa Steffny eine sportliche Leiterin hauptamtlich eingestellt, die sowohl die Gründung der Frauen als auch die Entwicklung des Mädchenbereichs weiter vorantreiben sollte. „Als die Anfrage 2022 kam, konnte ich es kaum glauben. Hauptamt im Sportverein ist sowieso sehr selten. Dass ein Breitensportverein dann auch noch Geld für den Auf- und Ausbau seiner Mädchen- und Frauenabteilung investiert, kenne ich so sonst nirgends. Da musste ich nicht lange nachdenken.“, erinnert sich Lisa Steffny. Das Fundament des Teams bestand zu Beginn aus den damaligen B-Juniorinnen. Mit der Zeit wurde die Mannschaft um erfahrene Spielerinnen ergänzt. Seit Beginn an spielt das Team im oberen Tabellenfeld in der Kreisliga mit. Das nächste Ziel: Der Aufstieg in die Bezirksliga.
Ihr heutiger Erfolg wäre kaum denkbar, wenn der Verein die Verantwortung allein einer Person übertragen hätte. „Den hohen Stellenwert, den die Mädchen im Verein genießen, sieht man auch daran, wie viele Personen in dem Bereich mitarbeiten. So bin ich nicht allein für diese zuständig, sondern werde auch auf verschiedenen Ebenen unterstützt. Zum Beispiel von Stefan Kneuper, stellvertretender Jugendleiter, ohne den die Entwicklung der Mädchenabteilung so nicht möglich gewesen wäre“, weiß Steffny die Unterstützung im Verein zu schätzen.
Mischung aus erfahrenen Trainer*innen und Nachwuchskräften
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Vereinsarbeit sind die Trainer*innen. Der ESV Olympia setzt auf eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen Trainer*innen sowie Nachwuchskräften, die im Verein ausgebildet werden. „Wir scouten aktiv bei unseren Spieler*innen, wo potenziell ein Trainer*innen-Talent stecken könnte und sprechen diese aktiv an. Daher haben wir außergewöhnlich viele Jungtrainer*innen, die als Co-Trainer*innen beginnen, dann aber auch sehr oft den Schritt in Richtung Chef-Trainer*in gehen“, berichtet die sportliche Leiterin. Auf „Elterntrainer*innen“ wird in der Mädchenabteilung nur selten zurückgegriffen. Gerade einmal vier der 40 Trainer*innen dort sind Eltern von Spielerinnen.
Besonders großen Wert legt der Verein dabei auf die Qualifizierung. So finden sich in der Mädchen-Abteilung bereits drei B-Lizenz-Inhaber*innen und acht C-Lizenzinhaber*innen wieder. „Unser Ziel ist es, in jedem Team mindestens eine*n Lizenzinhaber*in zu haben, gerne auch mehrere. Hier sind wir auf einem guten Weg“, betont Lisa Steffny die Wichtigkeit der Qualifizierungen und ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass unsere Trainer*innen hier eine so große Lernbereitschaft zeigen. So wünscht man sich das als sportliche Leiterin.“ Zwei weitere Trainer wurden gerade zur B-Lizenz zugelassen, zahlreiche weitere durchlaufen aktuell die einzelnen Module der C-Lizenz bzw. den DFB-Junior-Coach. Ergänzt wird das Fortbildungsangebot für Trainer*innen beim ESV zudem durch interne Angebote. Zweimal im Jahr findet im Verein ein interner Trainer*innenkongress zur Weiterbildung statt.
Viel Arbeit und ein engagiertes Team
Für die Zukunft haben die Kölner sich weitere Ziele gesetzt. „Die Entwicklung, die der Mädchenfußball in den vergangenen Jahren beim ESV genommen hat, ist großartig. Diese Entwicklung möchten wir auch in Zukunft beibehalten. Das ist kein Selbstläufer, sondern bedarf Jahr für Jahr viel Arbeit. Aber wir haben ein tolles, engagiertes Team. Wenn ich mir persönlich etwas wünschen dürfte, wären das weitere Platzkapazitäten, damit wir beispielsweise eine U19 und eine zweite Frauenmannschaft gründen können.“ Ein weiterer Wunsch von Steffny: „In den vergangenen dreieinhalb Jahren, seit Beginn meiner Tätigkeit, hat sich bei vielen anderen Vereinen leider noch zu wenig in der Förderung von Mädchen getan. Daher würde ich mir wünschen, dass mehr Vereine den Schritt wagen und erste Mädchenmannschaften gründen, um so möglichst vielen Mädchen die Möglichkeit zu geben, ein Trainings- und Spielangebot in ihrer Nähe wahrnehmen zu können.“
Auch einen Tipp hat sie für Vereine, die das Thema Mädchen- und Frauenfußball angehen möchten: „Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, nicht mit den Frauen, sondern im kleineren Altersbereich von der U9 bis zu U13 zu beginnen. Der Altersbereich boomt und so kommt man später nicht in Schwierigkeiten, bei den Frauen ein Nachwuchsproblem zu haben“.
