Markus Halfmann: Vom Ehrenamt in den Profifußball

Markus Halfmann: Vom Ehrenamt in den Profifußball

Markus Halfmann war 2016 ein Fußballheld. Heute leitet er als "Direktor FC-Akademie" die Nachwuchsabteilung des 1. FC Köln. Seinen Weg in den Profifußball hatte er damals keineswegs geplant. Vielmehr zeigt seine Geschichte, wie wertvoll es sein kann, seiner Leidenschaft nachzugehen und offen zu sein für neue Erfahrungen. Wir zeichnen sie vor der anstehenden Fußballhelden-Bildungsreise 2026 nach.

Als Markus 2016 als Fußballheld ausgezeichnet wurde und zur Bildungsreise nach Spanien fuhr, hätte er sich nicht vorstellen können eines Tages den Nachwuchsbereich des 1. FC Köln zu leiten. Damals studierte er Politikwissenschaften und engagierte sich ehrenamtlich beim FC Hennef 05. Sein Karriereweg war nie darauf ausgelegt fest im Fußball zu arbeiten. "Das hat sich im Laufe der Zeit so entwickelt", so Halfmann. "Irgendwann war es ein Traum, ein Wunsch. Als ich dann 2017 beim 1. FC Köln meine Vollzeitstelle angefangen habe, war das schon eine Riesensache."

Schon früh bemerkte Markus, dass ihm die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mehr Freude bereitete, als selbst als Spieler auf dem Platz zu stehen. So begann er zunächst in einem kleinen Dorfverein als Jugendtrainer, bevor er 2011 zum FC Hennef 05, wechselte. Markus sagt: "Die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen ist einfach sehr dankbar. Man kriegt sofort ein Feedback von dem, was man tut, und das macht einfach super viel Spaß."

Schnell entdeckte Markus auch seine Leidenschaft dafür, Dinge zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Aus der Trainerrolle heraus kamen nach und nach weitere Aufgaben hinzu. Er trainierte Kinder und Jugendliche, organisierte Turniere, kümmerte sich um das Material, arbeitete als Pressesprecher und setzte die Homepage des Vereins neu auf.
"Basis ist aufs Ehrenamt angewiesen"

Markus bekam die Möglichkeit, sich in den verschiedensten Funktionen auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Der Amateurverein bot ihm die Möglichkeit Fehler zu machen, daraus zu lernen und daran wachsen. Dabei konnte er Erfahrungen sammeln, die ihn bis heute prägen. Markus rät: "Ich würde allen raten, in dieser Lebensphase, im Fußball nicht so sehr auf das eigene Vorankommen oder aufs Geld zu schauen, sondern der Frage nachzugehen: Macht mir das, was ich jeden Tag mache, eigentlich Spaß?"

Wenn Markus heute beim 1. FC Köln Personalentscheidungen trifft, ist ihm wichtig, dass Bewerber*innen nicht nur theoretisches Wissen aus dem Studium mitbringen, sondern auch praktische Erfahrungen im Amateurverein gesammelt haben. "Mir ist total wichtig, dass man sich in einem Amateurverein engagiert hat und sich selbst auch ausprobiert hat", hält Markus fest. "Davon lebt unser Vereinswesen in Deutschland. Die große Basis des Fußballs in Deutschland ist auf Amateurvereinsebene und auf Leute angewiesen, die das ehrenamtlich machen."

Genau deshalb findet er auch die Fußballhelden-Bildungsreise so wertvoll. Sie würdigt nicht nur das Engagement junger Menschen, sondern kann sie zugleich darin bestärken, sich auch weiterhin im Verein einzubringen. Als Markus 2016 selbst ausgezeichnet wurde, hat er sich dabei nicht als "Held" gefühlt. Das, was er beim FC Hennef tat, empfand er nicht als außergewöhnliche Leistung. Es war sein Alltag – und vor allem etwas, das ihm große Freude bereitete.

Gemeinsam mit den anderen Preisträger*innen ging es für Markus zur Bildungsreise nach Santa Susanna. An die konkreten Inhalte der Reise erinnert er sich zehn Jahre später nicht mehr im Detail. Stattdessen ist es vor allem der Umgang mit Menschen, den er in seiner Zeit als Ehrenamtlicher gelernt hat: "Im Fußballverein trifft man auf Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Hintergründen, auf Spieler mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Persönlichkeiten. Man muss lernen, mit ihnen umzugehen und manchmal auch unangenehme oder negative Botschaften zu überbringen."

In seiner heutigen Position als Direktor der Nachwuchsabteilung arbeitet er daran junge Talente auf den Profifußball vorzubereiten und möglichst viele von ihnen in die Bundesliga zu führen. Dabei ist Markus aber eines ganz wichtig: Junge Menschen auf das Leben vorzubereiten, ihnen Kompetenzen mit an die Hand zu geben, die sie auch sonst im Leben gut gebrauchen können. "Ich hoffe, dass auch die Jungs, die uns irgendwann verlassen, weil sie eben nicht den Sprung auf die nächste Ebene geschafft haben, am Ende sagen, dass ihre Zeit beim 1. FC Köln super war", wünscht sich Markus. 

Im Fußball lernt man nicht nur Technik und Taktik. Man lernt, im Team zu funktionieren, Verantwortung zu übernehmen und auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Dass seine Tätigkeit beim FC Hennef 05 ihn einmal in den Profifußball führen würde, hätte Markus nicht gedacht. Sein Weg war nicht geplant. Er hat sich vielmehr Schritt für Schritt entwickelt – aus der Freude am Fußball, aus neuen Aufgaben und aus der Bereitschaft, sich auszuprobieren. Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die sich aus seiner eigenen Geschichte ableiten lässt: "Manchmal entsteht der eigene Weg erst, wenn man ihn geht."


Das ist die Fußballhelden-Bildungsreise

Die Fußballhelden-Bildungsreise gibt es seit 2015, sie wird gemeinsam vom DFB und seinem Kooperationspartner KOMM MIT durchgeführt. Jährlich werden 257 junge Ehrenamtliche im Alter von 18 bis 30 Jahren aus den Jugendabteilungen der Amateurvereine für ihr Engagement ausgezeichnet und zu einer fünftägigen Bildungsreise nach Santa Susanna in Spanien eingeladen. Dort erhalten Kinder- und Jugendtrainer*innen, Jugendleiter*innen und Schiedsrichter*innen von erfahrenen Referent*innen praxisnahe und theoretische Impulse für ihre Arbeit im Verein. Neben der Möglichkeit, Lizenzen und Zertifikate zu verlängern beziehungsweise zu erwerben, stehen auch der Austausch mit anderen Ehrenamtlichen und gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm. Die Reise verbindet damit Anerkennung, Weiterbildung und Gemeinschaft - sie soll damit die jungen Ehrenamtlichen in ihrem Engagement für den Fußball stärken.

Foto- und Bildquelle: DFB

Mehr zum Thema
Nach oben scrollen