Mittelrheinliga der Frauen: DJK Südwest gewinnt Herzschlagfinale gegen Deutz 05

Mittelrheinliga der Frauen: DJK Südwest gewinnt Herzschlagfinale gegen Deutz 05

Wie sich Nervosität und Aufregung in Glück und Euphorie verwandeln können, erlebten die Fußballerinnen der DJK Südwest Köln am Pfingstmontag. Ihre Trainerin hatte es geahnt. „Der Spielplan hat etwas Besonderes mit uns vor“, hatte Jule Brockerhoff angesichts der Paarung zum Saisonabschluss gemutmaßt. Schließlich erwartete ihr Team als Tabellenführer mit der SV Deutz 05 den letzten verbliebenen Titelrivalen. Brockerhoffs Fußballerinnen nahmen die Vorlage des Spielplans an. Sie nutzten den Showdown zu ihrer Kür, gewannen trotz anfänglicher Anspannung mit 1:0 (0:0) und feierten ausgelassen Meisterschaft und Regionalliga-Aufstieg. „Wir werden es krachen lassen“, kündigte Brockerhoff eine Party am Vereinsheim an, während ihr Team Siegesgesänge anstimmte. Immer dabei: der mit Stolz getragene Meisterschaftswimpel sowie die von Patrick Effer (Staffeleiter Mittelrheinliga) überreichten Medaillen für die erfolgreiche Mannschaft.

Der Gegner zeigte sich als fairer Verlierer. „Südwest hat verdient gewonnen“, fand Olaf Weißweiler, der Leiter Frauenfußball der SV Deutz 05. Das sah Cornelia Reese nicht anders. „Das Ergebnis geht in Ordnung. Auch wenn die Niederlage zunächst weh tut, dürfen wir stolz auf unsere Saison sein. Wir haben unfassbar viel erreicht, viel mehr, als wir erwartet hatten“, so die Deutzer Trainerin. Mit einem Sieg wäre ihre Mannschaft Meister geworden. Und das hätte perfekt gepasst. Genau vor einem Jahrzehnt schlug man im Rechtsrheinischen das Kapitel Frauenfußball auf. Zudem war das Spiel für Reese im doppelten Sinne ein Finale. Es ging nicht nur um den Titel, für sie stand auch das letzte Match auf der Bank des SV Deutz 05 an. Die 34-Jährige wechselt gemeinsam mit Co-Trainer Johannes Müller zu Bayer 04 Leverkusen, wo beide im Unterbau der Bundesliga-Mannschaft tätig sein werden. „Ich war vor zehn Jahren bei der Gründung der ersten Frauenmannschaft in Deutz als Spielerin dabei“, schaut sie zurück. Nach anderen Stationen ging es vor rund drei Jahren in der heutigen Rolle wieder zurück an die alte Wirkungsstätte.

Die SV Deutz 05 steht für Offensivstärke

Dort hat sie ein Team mit geballter Offensivpower aufgebaut. Regisseurin Stefanie Bleffert glänzt immer wieder als Vorbereiterin. Abschlussstärke bringen Claudia Teixeira Pinto, Sarah Garnier-Schlagenwarth und Emilia Werner mit. Viele Spielerinnen sind regionalligaerfahren. Im Viertelfinale des Ford-Pokals verpasste die SV beim 2:5 nach Verlängerung nur knapp eine Überraschung gegen den Regionalligisten S.C. Fortuna Köln. Ein dickes Kompliment kommt auch von DJK-Trainerin Brockerhoff: „Deutz war ein starker Konkurrent. Im Grunde hätten beide Mannschaften den Aufstieg verdient gehabt.“ Lob gibt es aber auch in umgekehrter Richtung. „Die DJK kommt mit ihren jungen Spielerinnen über Geschwindigkeit. Wir haben uns immer schwergetan gegen sie. Vor allem auf deren Platz“, sagt Weißweiler.

Im abschließenden Match tat sich aber zunächst die DJK schwer. „Wir hatten Probleme, ins Spiel zu finden, waren nervös und unkonzentriert“, so Brockerhoff. Deutz kam zu Tormöglichkeiten, verpasste jedoch einen Treffer. Mit dem Wiederanpfiff änderte sich alles. Nun dominierten die Gastgeberinnen. „Die Nervosität war weg. Vielleicht ist den Mädels klar geworden, dass wir so oder so eine unfassbar starke Saison hinter uns haben und nichts zu verlieren hatten“, erklärt die DJK-Trainerin. Für die Entscheidung sorgte die eingewechselte Chiara Minasso mit dem 1:0 kurz vor Schluss.

Viel Talent und guter Teamgeist

Die 21-Jährige steht stellvertretend für die vielen jungen Wilden im Dress der DJK. „Unser Altersschnitt liegt bei 22 Jahren“, macht Brockerhoff deutlich. Ein Großteil der Mannschaft stammt aus der eigenen Jugend. Dazu gehören neben Minasso auch Paulina Verspohl, Charlotte Patzner, Greta Eisenbeiß und Ida Neumann. Torhüterin Larissa Schnackertz und Abwehrspielerin Julia Becker zählen zu den wenigen Routiniers. „Wirklich stark gemacht hat uns unser Teamgeist“, meint die Trainerin über die Equipe um Kapitänin Nora Kersting. Brockerhoff und ihr Co-Trainer Guido Kalle haben ein Team aufgebaut, das für seine Kontrahenten schwer auszurechnen ist. Es gibt nicht die eine Torjägerin, auf die das Spiel ausgerichtet ist. „Unsere Torausbeute verteilt sich auf viele Spielerinnen“, sagt sie.

Bis 2019 hat Brockerhoff noch selbst gespielt, parallel eine Trainerinnenkarriere gestartet und zwischenzeitlich bei der Drittvertretung von Fortuna Köln drei Jahre lang eine Männermannschaft gecoacht. Nach einem Auslandsaufenthalt ging es dann im vergangenen Sommer zur DJK. Nun hat sie im wahrsten Sinne des Wortes ihr Meisterstück gemacht. Die Zukunft heißt nun Regionalliga. „Das ist ein großer Schritt, das ist allen bewusst. Aber wir wollen ihn mit den Spielerinnen tun, die sich den Aufstieg verdient haben“, sagt die 31-Jährige

 

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