Noch hat Gianna Rackow die Nase vorn. Mit vier Treffern führt die Spielerin des Regionalligisten Vorwärts Spoho Köln die Rangliste der besten Stürmerinnen im Schaebens-Pokal an. Ihr im Nacken sitzt ein Quartett von Dreifachtorschützinnen. Von der Poleposition aus den Kampf um die Torjägerinnen-Kanone im Finale am 1. Mai gegen den Ligarivalen S.C. Fortuna Köln angehen zu können, hat die 25-jährige sich auf einen Schlag verdient. Rackow machte das Halbfinale beim Mittelrheinligisten SV Viktoria Rot-Weiss Waldenrath-Straeten kurzerhand zur persönlichen Show, steuerte zum 6:0-Sieg einen Viererpack bei – und das in gerade einmal 34 Minuten.
Dabei ist es eigentlich gar nicht ihr Ding, andere in den Schatten zu stellen. „Sie ist eine Spielerin, die nicht allein glänzen will, sondern eine, die sich immer wieder in den Dienst der Mannschaft stellt, um die anderen mitzuziehen“, sagt ihr Trainer Josh Green. Daher setzte er die trotz ihres jungen Alters erfahrene Akteurin zunächst auch lange Zeit als Regisseurin ein. Das Manko seiner Mannschaft, immer wieder eine Vielzahl von Chancen auszulassen, ließ ihn umdenken. „Wir haben viel liegengelassen, daher habe ich Gianna in die Spitze beordert. Sie hat eben mit den besten Abschluss bei uns“, erklärt Green. Nun laute die Devise, Rackow möglichst oft vor das Tor zu bringen. Diese wähle clevere Laufwege, könne aus der Distanz treffen und habe das nötige Gespür, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu lauern. Kurzum, man merke ihr Talent und ihre fußballerische Ausbildung an.
Gianna Rackow feierte einst ihr Bundesliga-Debüt bei Bayer 04 Leverkusen
Rackow begann das Fußballspielen beim VfL Berghausen-Gimborn, fand über den SV Frielingsdorf in die Nachwuchsabteilung von Bayer 04, wo sie mit den B-Juniorinnen 2016 den FVM-Pokal gewann – beim damaligen 2:1-Finalerfolg gegen den 1. FC Köln erzielte sie beide Treffer. Noch als 16-Jährige debütierte sie im Leverkusener Dress in der Frauen-Bundesliga. 2021 wechselte Rackow zum damaligen Zweitligisten RB Leipzig, ehe sie im Sommer 2024 bei Vorwärts Spoho anheuerte.
„Ich habe einen guten Blick für freie Räume und erkenne Spielsituationen früh. Besonders liegt mir das Verteilen der Bälle sowie das gezielte Einsetzen meiner Mitspielerinnen, um Torchancen zu kreieren“, sagt Rackow. Noch suche sie zu selten den Abschluss. „Hier möchte ich in Zukunft mutiger werden und vermehrt eigene Torchancen nutzen“, kündigt sie an. Dass sie gesteckte Ziele konsequent verfolgen und erreichen kann, hat sie mehrfach bewiesen. Zweimal kämpfte sie sich nach einem Kreuzbandriss zurück, sie wurde mit Deutschland U-17-Euromeisterin, stieg mit Leipzig und Bayer 04 in die Erstklassigkeit auf. Nun soll im Troisdorfer Aggerstadion der Sieg im Schaebens-Pokal folgen, vielleicht gekrönt mit der Torjägerkanone. „Das ist natürlich eine schöne persönliche Auszeichnung und eine tolle Anerkennung. Im Vordergrund steht für mich aber immer der Erfolg der Mannschaft. Wenn ich mit meinen Toren dazu beitragen kann, ist das umso schöner“, stellt Rackow klar.
Drei Fortuna-Offensivspielerinnen in der Verfolgerposition
Gute Chancen auf die Topplatzierung hat auch ihre Teamgefährtin Madlen Behrends. Die 22-Jährige kann auf beiden Flügeln spielen. Laut ihrem Trainer ist sie „extrem kopfballstark, nahezu beidfüßig und in der Lage, Tempo aufzunehmen. „Über die Saison habe ich daran gearbeitet, auch bei Standards torgefährlich zu agieren. Inzwischen konnte ich der Mannschaft mit dem ein oder anderen Kopfballtor helfen“, erklärt sie. Nun den Pokal gewinnen zu können, sei eine riesige Motivation. „Dass aus einem Pokalfinale dann sogar noch ein Kölner Derby wird, macht das ganz noch emotionaler und energiegeladener für uns“, sagt Behrends, die der Chance auf den Gewinn der Torjägerinnen-Kanone keine übermäßige Bedeutung beimessen will. „Für mich zählt, dass wir am Ende des Spiels mindestens ein Tor mehr als Fortuna haben und den Pokal gewinnen. Wer dann die Hütte gemacht hat, ist egal.“
Auch die Konkurrenz von der Fortuna richtet den Fokus verständlicherweise auf den Mannschaftserfolg – nur mit einem Auge wird auf die persönliche Ausbeute geschielt. Alina Recht etwa sagt: „Es ist eine große Ehre, im Finale zu stehen und dass auch einige von uns um die Torjägerkrone spielen. Im Fokus steht aber ganz klar der Sieg mit der Mannschaft. Beides zu holen, wäre natürlich umso schöner. Gegen Spoho Köln wollen wir alles geben und den Pokal verteidigen.“ Recht hat bislang dreimal im Pokal-Wettbewerb zugeschlagen. Zwei Treffer glückten beim 4:0 im Halbfinale beim Landesligisten Viktoria Köln, ein weiterer beim 8:0-Auswärtssieg im Achtelfinale beim Mittelrheinligisten SV Menden. „Sie hat einen guten Zug zum Tor, agiert robust und mit starker Präsenz in den Zweikämpfen und Qualität im Kopfballspiel“, lobt Fortuna-Coach Marc Gertzen die 25-Jährige.
Alica Linden könnte als Joker stechen
Zumeist in der Jokerrolle trägt Alica Linden (27) zum Erfolg der Fortuna bei. Sie kann aber auch anders: Ihre drei Tore im Schaebens-Pokal erzielte sie allesamt als Startelf-Spielerin im Achtelfinale in Menden. Ihr Tempo und ihre Art tief zu gehen, zeichne sie aus, betont Gertzen. Fabienne Meder (23), die dritte Fortuna-Akteurin mit drei Treffern auf dem Konto, ist eigentlich keine echte Angreiferin. „Sie ist unser Mittelfeldmotor, unsere Antreiberin. Die Torgefährlichkeit kommt obendrauf“, erklärt Gertzen. Meder verfügt über einen fulminanten Schluss und tritt zudem bei Elfmetern an. „Im Pokalfinale gegen Vorwärts Spoho erwarte ich ein intensives Spiel. Dennoch haben wir als Team schon in der Liga bewiesen, dass wir die klare Nummer zwei in Köln hinter dem FC sind, und als Titelverteidiger wollen wir diese Stärke auch weiterhin beweisen“, blickt Meder auf das Endspiel in Troisdorf.
