Viel mehr Showdown geht nicht. Im Finale des Schaebens-Pokals treffen am 1. Mai, 14 Uhr, mit den Regionalligisten Vorwärts SpoHo Köln und S.C. Fortuna Köln die beiden derzeit besten Frauen-Teams vom Mittelrhein jenseits des Profibereichs aufeinander. Die Protagonistinnen dürfen sich mit dem Troisdorfer Aggerstadion (Taubengasse 203) auf eine Endspielstätte mit reichlich Flair freuen und die Vorfreude scheint grenzenlos. „Den Pokal gewinnen zu können, ist natürlich eine riesige Motivation. Dass aus einem Cup-Finale sogar noch ein Kölner Derby wird, macht das Ganze noch emotionaler und energiegeladener für uns. Deswegen ist es unser Ziel, den Pokal ans Nordfeld zu holen“, sagt etwa Madlen Behrends von Vorwärts Spoho, mit drei Treffern eine der besten Torjägerinnen des bisherigen Wettbewerbs. Fabienne Meder von Fortuna Köln hält dagegen: „Wir wissen, dass die Spiele gegen Spoho nicht einfach sind und man diesen Gegner nicht unterschätzen darf, aber wir werden alles geben, um den Pokal erneut in die Südstadt zu holen.“
Diese Ambitionen und Anspannung meint Spoho-Coach Josh Green wohl, wenn er von der Vorfreude-Phase spricht, die es gelte mitzunehmen und mit jeder Faser zu genießen. „Finals sind einfach super. Sie sind komplett anders als jedes andere Spiel. Das sind Tage, die man mitnehmen muss“, macht er deutlich. Hinter dem Match in der größten Stadt des Rhein-Sieg-Kreises steckt einiges. „Es ist eine riesige Chance für den gesamten Verein. Wir könnten einen Derbysieg einfahren und in die Play-Off-Runde des DFB-Pokals einziehen“, sagt der 34-Jährige. Der letzte Titelgewinn glückte Vorwärts Spoho lange vor seiner Zeit. 2018 war das. Seitdem ist die Fortuna das Nonplusultra des Wettbewerbs. Abgesehen von dem angesichts der Pandemie letztlich via Losentscheid an den SV Viktoria Rot-Weiß Waldenrath-Straeten vergebenen Titel setzten sich die Fußballerinnen aus der Kölner Südstadt seither stets durch.
Fortuna-Coach Marc Gertzen hat beeindruckende Erfolgsgeschichte mitgeschrieben
An dieser beeindruckenden Erfolgsgeschichte hat ein Mann eifrig mitgeschrieben: Marc Gertzen. Viermal hat er mit der Fortuna als alleiniger Chefcoach und einmal im Gespann mit Guido Kalle den Pott geholt. Eigentlich wollte der 39-Jährige schon länger nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Doch als es darauf ankam, kehrte Gertzen wieder zurück auf die Bank und erledigte neben dem Job als Manager auch wieder den des Trainers. „Mit Saisonende ist damit aber Schluss. Dann werde ich mich auf die Aufgaben als Sportliche Leiter konzentrieren. Die Doppelfunktion ist auf Dauer einfach nicht machbar“, sagt er.
Ein Abschied von der Trainerbank mit einem Titel käme ihm da gerade recht. „Wir sind wohl leicht favorisiert und gehen mit breiter Brust in das Spiel“, betont er. Gleichwohl habe das jüngste knappe Meisterschaftsderby den Respekt vor Spoho nochmals vergrößert. 4:3 gewann die Fortuna. Der entscheidende Treffer durch Sophie Trepohl fiel erst tief in der Nachspielzeit. „Wir haben uns sehr schwergetan. Der Gegner ist stark bei Standards, hat viel Potenzial und ist erfahren und taktisch diszipliniert. Ich rechne mit einem Duell auf Augenhöhe“, sagt Gertzen.
Vorwärts-Trainer Josh Green gibt Komplimente gerne zurück
Diese Komplimente gibt Vorwärts-Trainer Green gerne zurück. „Die Fortuna hat sehr viele Spielerinnen, die schon lange zusammen auf dem Platz stehen. Sie sind eingespielt und sie performen. Wenn wir ihnen Chancen geben, nutzen sie diese gerne.“ Gespannt sei er jedoch, wie der Gegner als Titelverteidiger und in der Liga besser platziertes Team mit den größeren Erwartungen und dem daraus resultierenden Erfolgsdruck umgehe. „Es wird kein leichter Weg für sie, ich rechne mit einem leidenschaftlichen Spiel“, erklärt der Coach, der auf den starken Teamspirit seiner Elf und Siegeswillen setzt.
„Wir wollen das Spiel zeigen, das wir selbst gerne von der Tribüne aus sehen würden“, hat er im Verlauf des Wettbewerbs einmal gesagt. Sein Team ist nahezu komplett. Einzig Lena Plank fällt wohl aus. Eine wichtige Rolle dürften wieder die einstigen Leverkusener Erstliga-Spielerinnen Gianna Rackow und Ann-Kathrin Vinken spielen. Vorweggehen soll einmal mehr Innenverteidigerin und Spoho-Kapitänin Hannah Lorbach, die es laut Green versteht, durch ihre Art zu spielen das Team anzuführen." Auf der Torhüterinnen-Position hat Spoho den Luxus, zwei starke Kandidatinnen zu besitzen. Jana Theisen hatte zuletzt in der Liga die Nase vorn, Leonore Gruber hat jedoch im Halbfinale gespielt und dort zum 6:0 beim Mittelrheinligisten SV Viktoria Waldenrath-Straeten beigetragen. Das war nach dem Freilos im Viertelfinale und einem engen 6:3 nach Verlängerung gegen den Regionalligarivalen SV Deutz 05 eine äußerst souveräne Angelegenheit. „Nach dem Pokaldrama gegen Deutz haben wir dort einen sehr erwachsenen Auftritt hingelegt“, fand Green. Lob kam auch vom Kontrahenten. Maik Honold, Trainer in Waldenrath-Straeten, war voller Selbstbewusstsein in den Vergleich gegangen und erkannte aber anschließend an, dass seine Elf chancenlos gewesen sei.
Sieg im Schaebens-Pokal eröffnet attraktive Perspektive
Green, der Blau-Weiß Köln einst als Underdog zum Kreispokalsieg geführt hat und nun seine zweite Saison mit Vorwärts Spoho bestreitet, will nun den ganz großen Wurf. Eine seiner stärksten Spielerinnen sieht das ähnlich. „Ein Pokalsieg würde mir sehr viel bedeuten. Gerade auch mit Blick auf einen möglichen attraktiven Gegner im DFB-Pokal wäre das etwas ganz Besonderes“, sagt Rackow.
Auf eine noch stärkere Bilanz im Schaebens-Pokal kann derweil die Fortuna zurückblicken. Einem 8:0 im Achtelfinale beim Mittelrheinligisten SV Menden, folgten ein 6:0 beim Mittelrheinligisten Alemannia Aachen und ein 4:0 beim Landesligisten Viktoria Köln. „Bisher haben wir uns keine Blöße gegeben“, sagt dann auch Abteilungsleiter Achim Stuhr. Er glaubt an das Team, das über Spielerinnen mit reichlich Erfahrung verfügt. Dazu zählen etwa Außenbahnspielerin Annika Boden, Anna Grassinger auf der Sechserposition, die sich als Kapitänin abwechseln und laut Stuhr eine „gute Bindung zum Trainerteam“ besitzen.
Mittelfeldakteurin Fabienne Meder und Angreiferin Vivien Schwing, die nach einer längeren, beruflich bedingten Pause zurück ist, und die routinierte Stürmerin Svenja Streller gehören ebenfalls zu den Säulen des Fortuna-Teams. „Wir wollen auf jeden Fall unser Spiel spielen. Mit Pressing und frühen Balleroberungen den Gegner unter Druck setzen. Klar, kann auch Spoho Tore schießen, aber wir wissen, wen wir ausschalten müssen“, so der 59-jährige Stuhr, der seit 2009 als Abteilungsleiter dabei ist und viele Sternstunden im Pokalwettbewerb auf Mittelrheinebene und auch im DFB-Pokal miterlebt hat. Diese Erinnerungen sind es, die ihn und die Mannschaft motivieren. „Wir wollen unbedingt gewinnen“, sagt er. Der Zusammenhalt und starke Teamgeist sollen zum zweiten Mal in Troisdorf zum Triumph führen.
Anreise-Infos für das Schaebens-Pokalfinale der Frauen
Die Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Troisdorfer Aggerstadions sind stark begrenzt. Besucher*innen werden daher gebeten, bevorzugt mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.
Wer dennoch mit dem Auto kommen möchte, kann alternativ Fahrgemeinschaften bilden. Passende Mitfahrgelegenheiten zum Schaebens‑Pokalfinale der Frauen lassen sich bequem über das DFB‑Fanfahrt‑Portal organisieren. Die Nutzung des Angebots ist kostenlos und unterstützt eine entspannte sowie nachhaltige An- und Abreise. Hier geht es zum DFB‑Fanfahrt‑Portal.
